»Viele Führungskräfte wissen nicht, dass ihre Muskelmasse schwindet. Wenn sie Sport machen, trainieren sie oft einseitig ihre Ausdauer und verschlimmern ihren Zustand dadurch.
Manager haben ein bequemes Leben und müssen nicht körperlich arbeiten. Mittlerweile hat sich die Erkenntnis, dass sportliche Aktivität ein wichtiger Ausgleich für dieses Leben ist, in den meisten Führungsetagen durchgesetzt. In ihrem Bestreben, auch diesen Teil ihres Lebens effizient zu organisieren, tun Manager jedoch oft zuviel des Guten und genau das Falsche. Sie konzentrieren sich zu sehr darauf, ihre Ausdauer zu trainieren. Viele verschlechtern dadurch ihren Gesundheitszustand, statt ihre Fitness zu steigern.
Das Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln ermittelte, dass geringe Muskelaktivität bei 75 Prozent der untersuchten Manager zum Abbau großer Muskelgruppen führte. Dieses als Sarkopenie bezeichnete Altersphänomen tritt zunehmen bei Managen mittleren Alters auf. Äußerlich sehen Manager mit zu geringer Muskelmasse oft fit und schlank aus. Allerdings klagten 80 Prozent der Probanden über Rückenschmerzen.
Zuwenig Muskelmasse hat auch Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und wir fühlen uns dann körperlichen Belastungen nicht mehr gewachsen. Die Muskulatur als größtes Stoffwechselorgan kann Stresshormone nicht mehr so gut abbauen und die Temperaturregelung des Organismus wird gestört. Durch den verringerten Grundumsatz und die bei Managern oft sehr energiehaltige Kost fällt es immer schwerer, das Gewicht zu halten. Ist der Stoffwechsel langfristig aus dem Gleichgewicht, kommt meist auch noch Bluthochdruck hinzu. Im Schlimmsten Fall kann das sogar zu Diabetes führen.
Wenn Manager Sport treiben, haben die sportlichen Aktivitäten oft den Charakter eines hektisch absolvierten Termins. Viel beschäftigte Manager verlegen Trainingszeiten zum Beispiel in die Nacht- und Morgenstunden. Sinnvoll ist das schon aus dem Grund nicht, dass der Körper Regenerationsphasen braucht.
Viele Manager kombinieren gern Enthaltsamkeit beim Essen mit extensivem Ausdauertraining. Diese Verquickung ist ein gutes Beispiel dafür, wie man den Muskelabbau noch verschlimmern kann: Sind die Kurzfristenergiequellen (Glukose) aufgebraucht, greift der Körper relativ schnell auf die Muskelstrukturen zu und kannibalisiert sich sozusagen selbst.
Statt Heldentaten im Extremsport zu vollbringen, ist es sinnvoller, auf Ausgewogenheit und Spaß am Sport zu setzen.
Der Trainingsplan muss unbedingt die Bausteine Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination enthalten.«
Quelle: "Harvard Business Manager" Ausgabe 4/2010, Seiten 18-19