Fitness Selbsttest: Ist das Trampolin die Rettung für Sport-Hasser?

Iconist (Welt), Nicola Erdmann 13.03.2018
Logo der Welt in weiß auf dunkelblau

Trampolinspringen wird immer mehr zur Trendsport. Während Kinder sich beim Hüpfen spielerisch austoben, loben Erwachsene vor allem den Fitnessfaktor. Spaß ist für beide garantiert. Unsere Autorin findet Ausdauersport schrecklicher als alles, was sie je ausprobiert hat. Nun testet sie ein Trampolin für den Heimgebrauch. Zehn Minuten sollen 30 Minuten Joggen entsprechen. Und es gibt noch mehr Überraschungen.

„Es ist keine Koketterie, wirklich nicht. Ich hasse Sport, absolut und aus tiefem Herzen. Einmal im Jahr denke ich, dass ich jetzt aber wirklich mal wieder ‚was machen‘ müsste.

Schließlich steht das auch überall, zum Beispiel auf Instagram und in der Apotheken Umschau, und ich werde immer älter, also wird es immer wichtiger, so sagt man. Das Problem: Ich habe einfach gar keine Lust. Gar. Keine.

Der Stoffwechsel arbeitet noch 24 Stunden weiter!

Nun habe ich wieder etwas im Internet entdeckt. Trampolin-Springen, seit einer Weile gilt es als Trendsportart, überall eröffnen Trampolinhallen, auf RTL ist es Abendunterhaltung. Springen auf dem Trampolin würde die Fettverbrennung anregen, die Muskeln aktivieren, den Lymphfluss anregen, die Knochen stärken, die Bandscheiben massieren, die Tiefen- und Rumpfmuskulatur stärken und so weiter, es klang ganz wunderbar.

Und am besten klang: 'Das Training auf dem Trampolin setzt körpereigene Endorphine frei.' Man wäre glücklich, froh, gut gelaunt, das Springen sorge für Glückshormone und es würde SPASS MACHEN. Am zweitbesten klang, dass zehn Minuten Trampolin etwa 30 bis 40 Minuten Joggen entsprechen würden und der Stoffwechsel noch 24 Stunden nach dem Training weiterarbeiten würde. Wenig Sport, dafür effektiv, und nicht komplett schrecklich, das ist etwas, das sich für mich machbar anhört.

Kurz, anstrengend, effektiv

Ich leihe mir für vier Wochen das ‚bellicon‘, das ich aus der Youtube-Werbung kenne, aus. Je nach Größe und Ausstattung kostet das im Onlineshop zwischen rund 400 und 900 Euro. Auch bei diversen Discountern gibt es Trampoline, diese dann aber meist mit Stahlfedern, was die Gelenke stärker belastet und weniger aushält als eine Seilringfederung. Ich brauche außerdem ein Trampolin, dessen Beine ich einklappen kann – will ich doch nicht, dass mein Wohnzimmer dauernd nach Fitnessstudio aussieht.

Auch Schulter und Nacken werden gelockert

Am Anfang bin ich ängstlich, so ein Trampolin mitten im Wohnzimmer ist ungewohnt, ich schwinge auf und ab, ohne, dass meine Füße die Matte verlassen. Bellicon bietet ein Einstiegstraining und ein 15-minütiges Standardprogramm auf DVD an, was zum Kennenlernen auf jeden Fall zu empfehlen ist. Man hüpft vor und zurück, dreht sich in der Taille, dreht sich im Sprung, ich werde schnell mutiger und gewinne ein Gefühl für das Gerät.

Ich merke, dass sich auch Schultern und Nacken entspannen, was ich gar nicht erwartet hätte, und will bald mehr ausprobieren. Und: Nein, es ist echt nicht so schlimm! Ja, es ist irgendwann anstrengend, nach zehn Minuten kommt man durchaus schon gut ins Schwitzen, aber nicht auf diese gnadenlos herzschlagende, ich-hasse-es-Art-und-Weise. Okay, ich breche auch nicht in endorphingesteuertes Glücksgeheul aus, aber ich grause mich nicht, ich fühle mich ganz gut auf dem Trampolin, leicht, ein bisschen Ballerina, wenn es zu anstrengend wird, hüpfe ich einfach ein wenig und steige irgendwann wieder mit ein. Ich erlebe diesen Sport anders als etwa rein funktionale Kniebeugen oder schreckliche Burpees.

Eine Frau springt auf dem bellicon®

Die Iconist-Autorin Nicola Erdmann kann auf dem bellicon® fliegen oder auch liegen.

Das Trampolin trainiert Arme, Beine, Rücken, Kreislauf

Ja, es gibt sicher Workouts, die effektiver sind, als das, was ich hier so mache – aber das, was ich jetzt mache, wozu ich mich tatsächlich regelmäßig aufraffen kann, ist besser, als nichts zu machen, wie vorher. Das Trampolin ist nicht mein Feind, es gibt ziemlich viel Abwechslung und Übungen für Arme, Beine, Po, Rücken, was man so will.

Ich habe keinen Muskelkater, fühle mich danach okay, und wenn die Youtube-Trainerin diese Nasa-Studie aus den 80er-Jahren zitiert, bin ich hochmotiviert und bestätigt: Denn das NASA-Ames Research Center fand mit seiner Biomechanical Research Division schon damals heraus, dass Training auf dem Trampolin ‚die effizienteste, effektivste Art zu trainieren ist, die der Mensch sich bisher ausgedacht hat.‘

Doppelt so effektiv wie zu joggen

Klingt super, sowas möchte ich hören. Es gibt diverse weitere Studien, die das bestätigen, das International Journal of Sports Science etwa veröffentlichte 2016 Daten, die ergaben, dass Training auf dem Minitrampolin doppelt so effektiv ist, bei der Verbesserung der ‚aeroben Fitness‘ wie das Laufen. Ich google ‚aerobe Fitness‘ und ob ich das brauche – es geht um die Verbesserung des Herz-Kreislaufsystems, kann also nicht schaden. Die AOK etwa empfiehlt das Trampolinspringen übrigens auch als Vorsorge für Osteoporose, ich lasse also auch meine Mutter mal springen.

Im Laufe der Wochen finde ich einen Rhythmus mit dem Trampolin, drei Mal die Woche, wie empfohlen, schaffe ich es nicht immer, aber immerhin manchmal. Ich kann beim Fernsehen springen, zwischendurch – und dann ist da noch diese schöne Sache: Ich kann, mit dieser Federung, die gut für den Rücken ist, auch einfach ganz wunderbar darauf liegen. Und das dann auch länger als 15 Minuten.“

Lesen Sie den vollständigen Artikel hier.

Beitrag teilen