Zum Telefonieren aufs Trampolin

www.sueddeutsche.de 14.10.2010
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Gegen verspannte Schultern und steifen Hals: Auch im Büro gibt es Möglichkeiten, sich zu bewegen. Spezialist Liebisch gibt Tipps für den Alltag.

Der Nacken schmerzt, die Augen tränen, die Schulter ist verspannt - das sind typische Probleme von Büroarbeitern, die jeden Tag acht Stunden vorm Bildschirm verbringen. Wer diesen Beschwerden vorbeugen will, sollte sich während des Arbeitstages mehr bewegen, rät Reinhard Liebisch von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung in Wiesbaden (BAG). Unter www.haltungbewegung.de finden Berufstätige Tipps, wie sie ihr "tägliches Schrittkontingent am Arbeitsplatz aufstocken" können.

SZ: Auf ihrer Website stellt die BAG ein Büro-Trampolin und ein Fußkissen vor. Hat sich das schon durchgesetzt?

Reinhard Liebisch: Nun ja - für phantasievolle Lösungen wie ein Trampolin müssen die Chefs noch viel Verständnis entwickeln. Es ist jedoch kein klassisches Trampolin, man schwingt nur leicht darauf. Und man muss ja nicht beim Telefonieren aufs Trampolin, schon einige Minuten in der Pause helfen. Das Fußkissen fördert das Gleichgewicht.

SZ: Gibt es einfachere Möglichkeiten, das Bürodasein gesünder zu gestalten?

Liebisch: Zuerst einmal muss die Ergonomie stimmen: Bildschirm, Tisch und Stuhl müssen richtig eingestellt sein. Aber am wichtigsten ist Bewegung. Möglichst häufig sollte man aufstehen und etwa im Gehen telefonieren oder am Stehpult arbeiten. Und der Stuhl sollte die Bewegung des Menschen nicht fixieren, sondern unterstützen: Moderne Bürostühle haben bewegliche Sitzflächen. Manche Firmen richten auch kleine Fitnessstudios ein, in denen sich die Mitarbeiter in der Mittagspause bewegen können.

SZ: Kann man sich bei all der Zappelei noch auf die Arbeit konzentrieren?

Liebisch: Ja, leichte Bewegung ist gut. Das fördert die Durchblutung, auch die des Gehirns. Dadurch wird die Konzentration gefördert, und die Bandscheiben werden besser versorgt. Viele Unternehmen zahlen Mitarbeitern bei Rückenbeschwerden einen flexibleren Bürostuhl.

SZ: Ist auch Übergewicht eine Folge von Büroarbeit?

Liebisch: Nicht direkt, aber wer den ganzen Tag nur am Schreibtisch sitzt, verbraucht nun mal weniger Kalorien.

SZ: Die BAG ist auch an der Entwicklung von Schulmöbeln für Kinder beteiligt. Unterscheiden sich die Probleme im Büro und im Klassenzimmer?

Liebisch: Auch Kinder sollten ergonomisch sitzen und sich bewegen können. Aber Erwachsene haben mehr Rückenprobleme. Das liegt nicht nur am Büro, auch Bewegungsmangel oder psychische Belastungen in Familie und Firma können sich auf den Rücken niederschlagen.

SZ: Wie findet man die passende Büroeinrichtung?

Liebisch: Zuerst sollte man sich im Fachhandel informieren. Zudem vergibt die „Aktion gesunder Rücken“ ein Gütesiegel für rückenfreundliche Produkte.

Interview: Marlene Weiss


Originalartikel auf: www.sueddeutsche.de

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