Nach dem Zmorge (Frühstück) aufs Trampolin

Migros Magazin MM26, S. 10-15 27.06.2016
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Im Generationenhaus Neubad in Basel gehören die Senioren alles andere als zum alten Eisen. Im Pflegeheim einquartiert ist eine Kita – was für viel Bewegung und lustige Begegnungen sorgt. Davon profitieren die Älteren und die Kinder.

«Nein, nein, ich gehe da nicht drauf!», ruft Doris Zbinden*, «ich bin viel zu schwer.» Doch es dauert nicht lange, und die 83-jährige Frau steht auf dem Trampolin, hält sich seitlich an den Griffen fest, die ihre Pflegefachfrauen montiert haben, wippt mit den Knien und lacht. Ringsum turnen, hüpfen und tollen Knirpse umher. 

Wie jeden Morgen hat das Kita- und Pflegeheimpersonal den offenen Gemeinschaftsraum mit Turnmatten, Trampolins, Bällen, Pedalos und Stepper zur Bewegungslandschaft umfunktioniert. Zwischen 9 und 11 Uhr treffen sich Jung und Alt zu gemeinsamen Aktivitäten.

Mehr Lebensqualität

Wer nicht aufs Trampolin steigt, nicht aufs Trainingsvelo will und genug vom Spazierengehen hat, schaut einfach zu, wie die Kinder Purzelbäume schlagen, mit dem Ball spielen oder im Schaukelstuhl wippen. Das ist etwas ganz anderes, als allein im Zimmer zu hocken.

Fordern – ohne zu überfordern

«Wir schonen die Senioren und Seniorinnen nicht, wir fordern sie, ohne sie zu überfordern», sagt Felix Oettli, Leiter des Bewegungstrainings. «Wenn sie etwas gewagt haben, wie etwa aufs Trampolin zu stehen, sind sie stolz.» Das stärkt nicht nur das Vertrauen in den Körper, es ist auch gut für das Selbstwertgefühl.

«Wir wagen auch etwas und geben ihnen die Chance, sich mit dem Rollator vorwärtszubewegen, anstatt im Rollstuhl sitzen zu bleiben.» Während viele Bewohner anderer Pflegeheime auf den Rollstuhl angewiesen sind, sind es hier nur zehn Prozent.

Vor drei Jahren hat das Heim ein Antisturzprogramm eingeführt. An den Sportgeräten und mit Treppenlaufen werden Gleichgewicht, Kraft und Gelenke trainiert. Mit Erfolg. «Wir haben seither halb so viele Stürze und brauchen 30 Prozent weniger Medikamente», sagt Felix Oettli. 

Auch die Kleinen profitieren

Dank der Bewegung werden auch Lymphe und Darmperistaltik angeregt, was sich positiv auf Wohlbefinden und Gesundheit auswirkt. «Altersbeschwerden haben oft nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit Inaktivität», sagt der Bewegungsexperte.

Was für die Alten gut ist, hilft auch den Kleinen. Lustigerweise haben Kinder und Betagte bezüglich Motorik gemeinsame Schnittstellen: Beide stürzen öfters und haben eine ähnliche Stabilität im Gleichgewicht. «Für beide Altersklassen sind genau die gleichen Übungen sinnvoll», erklärt Felix Oettli. «Dazu gibt es sogar Studien.» Die Förderung der Bewegung ist Teil der Philosophie des Hauses und fester Bestandteil des Alltags.

83 Jahre und kein bisschen krank

«Ich war in den letzten zwei, drei Jahren kein einziges Mal beim Arzt», sagt Doris Zbinden. Und manchmal ist sie sogar schneller als viele Junge. Besonders im Kopfrechnen. «Was gibt 7 mal 8?», fragt Felix Oettli. ­Blitzschnell sagt sie: «56» – während die mittlere Generation noch am Rechnen ist.

*Namen der Seniorinnen und Senioren geändert

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