Die Geschichte des Trampolins

Laura Kuhlen 07.11.2015
Geschichte des Trampolins

Es ist bis heute nicht ganz klar, woher das Trampolin stammt und wie es zu seinem Namen kam. Uns gefällt diese Version jedoch am besten:

Was für ein Zirkus

Spanien im 18. Jahrhundert: soziale Probleme, Aufstände, Kriege. Der Zirkus genießt ein hohes Ansehen und dient als Unterhaltung für die Bevölkerung. Ein französischer Zirkusartist namens „du Trampoline“ sorgt auf seiner Reise durch das Land mit einem speziellen Sprunggerät für Aufsehen. Aus den ursprünglichen Sicherheitsnetzen im Zirkus baut er das erste Trampolin und nutzt es für gewagte Sprünge und Kunststücke. So kommt es, dass die Spanier dem Sprungbrett den Namen „el trampolín“ geben. Die erste Version unseres geliebten Sport- und Therapiegerätes war geschaffen und sogleich wieder vergessen.

Die Entstehung eines universalen Sportgerätes

Über 100 Jahre später wird am 3. Februar 1914 George Peter Nissen, als jüngstes von vier Kindern dänischer Einwanderer, im amerikanischen Blairstown geboren. 38 Straßen, 4 Kirchen, 500 Einwohner: ein friedliches und ruhiges Städtchen im Mais-Staat Iowa. Der Sportverein seiner Schule entfacht bei George schon früh die Leidenschaft für Gymnastik und Turnen. Schwebebalken und Reck sind fortan seine täglichen Begleiter. Bis zu einem bedeutenden Tag im Jahr 1930. Ein Wanderzirkus hat in der Nachbarstadt Cedar Rapids seine Zelte aufgeschlagen und der junge George besucht gemeinsam mit seinen Eltern die ausverkaufte Vorstellung. Fasziniert beobachtet der 16-Jährige, wie die Trapezkünstler durch die Luft fliegen, ihre Tricks vorführen und vom Sicherheitsnetz wieder hochgeworfen werden. Mehr als die akrobatischen Kunststücke, interessiert ihn jedoch das federnde Auffangnetz.

In seinem Kopf reift die Idee eines neuen Turngerätes heran, auf dem Sportler kühne Sprünge und Tricks ausführen können. Zurück in der heimischen Garage beginnt Nissen mit der Entwicklung und dem Bau eines Sprungtisches. Vier Jahre sollte es bis zur Fertigstellung des ersten Prototypens dauern. 1934 entsteht dann aus einem Stahlrahmen, alten Gummischläuchen und einem Segeltuch das erste Gerät, welches jedoch mit seiner geringen Federung zum Staubfänger verdammt war.

Geschichte des Trampolins - Handstand

Drei Leonardos auf Welttournee

Bis zum Jahre 1937: George ist mittlerweile dreimaliger Gewinner der nationalen Gymnastik-Meisterschaft und hat sein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität von Iowa erfolgreich abgeschlossen. Gemeinsam mit seinem damaligen Trainer Laurens “Larry“ Griswold verbessert Nissen über die Jahre hinweg sein Gerät mit einer flexible Nylonbespannung. Nach Abschluss des Studiums macht sich der 23-Jährige gemeinsam mit zwei Freunden, als „die drei Leonardos“, auf eine Akrobatik-Tour durch den Mittleren Westen der USA und Mexiko. Mit dem neuen Turngerät und wagemutigen Sprüngen unterhalten die drei jungen Männer das Publikum. Auf ihrer Reise durch Mexiko hören sie von den Zuschauern das spanische Wort „el trampolín“. Zurück in der Heimat lässt er 1939 den Begriff „Trampoline“, mit einem angefügten E,  als Marke schützen. Der Markenname wird später weltweit zum Produktnamen werden. 

Geschichte des Trampolins: Känguru

Känguru, Handstand und Pyramiden

Bevor es jedoch so weit ist, gründet Nissen 1941, gemeinsam mit seinem ehemaligen Trainer Griswold, die Firma Griswold-Nissen Trampoline & Tumbling Company in Cedar Rapids, der Stadt in der alles begann. Noch waren es Geräte von der Größe eines Gartentrampolins, als Spielzeug für Kinder und Sportgerät für Hobbyturner. Das ändert sich jedoch mit dem Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg am 8. Dezember 1941. Fortan wird das Sprunggerät zur Vorbereitung für Piloten, Fallschirmspringer und Taucher genutzt. Mithilfe des Schwerkraftwechsels trainierten die Soldaten ihre Koordination, Kondition sowie Gleichgewichts- und Orientierungssinn. George Nissen selbst diente der Marine im zweiten Weltkrieg und widmete sich anschließend der Entwicklung seiner Firma. Einige Jahre nach Gründung der Firma verkauft sein Geschäftspartner Laurens Griswold seine Anteile, da er nicht mehr an das Konzept und eine Zukunft für das Unternehmen glaubt. Und so widmete sich Nissen in den folgenden 30 Jahren seiner Idee alleine und führte die Produktion unter dem Namen „Nissen Corporation“ weiter. In über 40 Länder brachten ihn seine Leidenschaft für das Trampolin und der Wille, es zu einem anerkannten Sportgerät zu machen.  Auf seiner Reise durch die Welt sprang er Trampolin mit einem Känguru, machte Handstand vor den Pyramiden in Ägypten oder erfand das Trampolin-Spiel Spaceball. Nach Ende des Kriegs brach in Amerika ein wahrer Trampolin-Boom aus und das Turngerät wurde zum Leistungssport. Es sollte bis Ende der 40er Jahre dauern, dass diese Begeisterung auch nach Deutschland übersprang. 

Sprung nach Deutschland

Es ist tiefste Nacht. Außer den vereinzelten Rufen der Eulen herrscht absolute Stille in den Süchtelner Höhen. Im Schutz der Dunkelheit streift eine Gruppe junger Männer, bewaffnet mit Säge und Axt, durch das Waldgebiet. Sie sind auf der Suche nach Holz.

Wie schon bei George Nissen waren auch hier ein Zirkusbesuch und amerikanische Artisten verantwortlich für die umnachtete Aktion. Einer der jungen Männer, die auf der Suche nach Holz sind, ist Albrecht Hurtmanns. Einige Monate zuvor, im Jahr 1951, hatte er solch eine Vorstellung besucht und war begeistert von den Kunststücken auf dem Trampolin. Der Traum von einer eigenen „Wurfmaschine“ war geboren. Da ihm und seinen Freunden für die Materialien die finanziellen Mittel fehlten, entschiedenen sie sich für den halblegalen Weg, das Holz für den Rahmen zu beschaffen. In der heimischen Werkstatt sollte daraus, mit Schnüren und Autoreifen, ein Trampolin entstehen. Doch die Konstruktion war für die Sprünge nicht stabil genug und so drohte der Traum zu zerplatzen, noch bevor man „Edelstahlrahmen“ sagen konnte.

420 Kilometer weiter östlich steht ein weiteres Team vor dem Bau eines Trampolins. An der Sporthochschule in Leipzig entwickelt 1953 der Sportpädagoge Dr. Heinz Braecklein, gemeinsam mit seinen Mitarbeiter, ebenfalls ein Trampolin. Gedacht war es für das Training der Wasserspringer. Doch beide Teams haben eine Gemeinsamkeit: Die Qualität ihrer Sprunggeräte und Wurfmaschinen kommt nicht an die der Amerikaner heran. Erst eine große Veranstaltung zum 10-jährigen Bestehen der Kölner Sporthochschule im Jahr 1957 bringt ihnen Aufschluss. George Nissen tritt dort mit seinem Trampolin auf und sorgt bei den deutschen Kollegen für Inspiration und Einblick. Durch die Weiterentwicklung und Werbung des Sportgerätes gewinnt  das Sportgerät in den 60er Jahren derart an Beliebtheit, dass 1973 Deutschlands erste Trampolin-Bundesliga gegründet wird. Im selben Jahr verkauft der Urvater des Trampolins, George Nissen nach über 30 Jahren leidenschaftlicher Arbeit seine Firma, um in den Ruhestand zu gehen. Doch einen letzten Wunsch hegt der 60-Jährige noch: Das Trampolin als olympische Sportart zu sehen. Sein Wunsch soll im Jahre 2000 in Sydney in Erfüllung gehen. Zu diesem Zeitpunkt ist George 86 Jahre alt, macht noch Kopfstände und springt Trampolin so oft es ihm möglich ist. 10 Jahre später stirbt er im Alter von 96 Jahren. 

Gschichte des Trampolins: Spaceball

Und bellicon®?

Die Geschichte von bellicon beginnt vor vielen Jahren in Schweden. Ob das Minitrampolin mit den Wikingern nach Deutschland kam oder wie es seinen Weg in die heimischen Wohnzimmer fand, steht auf einem anderen Blatt (bzw. Webseite) und folgt in Kürze.

Um es kurz zu machen:

  • 18. Jahrhundert: "du Trampoline" reist mit seinem Sprunggerät durch  Spanien und die Spanier nennen es „el trampolín“
  • 3. Februar 1914: George Peter Nissen, Pionier und Gründungsvater des Trampolin, wird geboren
  • 1930: George Nissen besucht zum ersten Mal den Zirkus und die Idee zu einem neuen Turngerät reift heran
  • 1934: Ein erster Prototyp entsteht
  • 1937: Nach seinem beendeten Studium zieht Nissen gemeinsam mit zwei Freunden und dem verbesserten Gerät, als die drei Leonardos, durch die USA und Mexiko
  • 1939: Nissen lässt das Sportgerät unter dem Namen „Trampoline“ patentieren
  • 1941: Gemeinsam mit seinem ehemaligen Trainer Griswold gründet Nissen die Firma Griswold-Nissen Trampoline & Tumbling Company
  • 8. Dezember 1941: Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg. Das Trampolin wird nun als Trainingsgerät für Piloten, Fallschirmspringer und Taucher genutzt.
  • 1951: Albrecht Hurtmanns baut seine Wurfmaschine
  • 1953: Der Sportpädagoge Dr. Heinz Braecklein entwickelt ebenfalls ein Sprunggerät
  • 1957: 10-Jährige Veranstaltung der Kölner Sporthochschule auf der auch George Nissen auftritt
  • 1973: Deutschlands erste Trampolin-Bundesliga wird gegründet. Im selben Jahr verkauft George Nissen seine Firma und geht in den Ruhestand
  • 2000: Das Trampolin zum ersten Mal als olympische Sportart in Sydney


Bildquellen:
George Nissen in Ägypten
Glenn, Ron und George
Spaceball
George und das Känguru Victoria

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